Noggin-and-Natter 2016 / Der Automat – ein Buch mit sieben Siegeln

Die Funktionsweise eines Getriebeautomaten zu begreifen, war die Hoffnung mit der die BDC-Mitglieder nach Littau zum «Automaten-Meyer» reisten. Sollte da und dort das hoch gesetzte Ziel nicht erreicht worden sein, so war der technisch orientierte Tag trotzdem in mehrfacher Hinsicht ein Erfolg – sowohl für die Teilnehmer wie für die Veranstalter.

Vorweg Merkpunkte für Wenigleser!

1. Verschiedenheit der Systeme: Es gibt nicht DEN Getriebeautomaten.

2. Reparaturen an einem Getriebeautomaten gehören in die Hände eines Fachbetriebs.

3. Grundsätzlich ist die Handbremse bei einem abgestellten Fahrzeug trotz der Stellung «P», respektive «R» zu betätigen.

4. Das Nachfüllprozedere mit ATF (Automatic-Transmission-Fluid) hat bei laufendem Motor zu erfolgen.

5. Darauf achten, dass keinerlei Schmutzpartikel mit eingefüllt werden.

6. Das Automatenöl ist sporadisch vollständig auszuwechseln.

Der unter dem Namen «Automaten-Meyer» schweizweit bekannte Betrieb hatte am Samstag, den 27. Februar für die Mitglieder des Bentley-Drivers-Club die Tore geöffnet und gewährte Einblick in das breite Tätigkeitsfeld. Zweifellos sind die Getriebeautomaten die am wenigsten verstandenen Aggregate unserer Fahrzeuge und so war die Teilnehmerzahl und das Interesse entsprechend gross. Die Komplexität der sich gegenseitig vielfältig beeinflussenden Komponenten ist selbst nach eingehendem Studium noch verwirrend – ein Buch mit sieben Siegeln eben! Anders gesagt: Sich als Laie von der Funktionsweise der automatisch ablaufenden Schaltfunktionen ein klares Bild zu machen, ist nicht einfach. Als Quintessenz resultierte denn auch deutlich, dass es vermessen wäre, sich als Enthusiast an eine Reparatur eines defekten Getriebeautomaten heran zu wagen.

Und so funktionierts:
Das klassische Automatikgetriebe besteht aus einem hydrodynamischen Drehmomentwandler und einem nachgeschalteten Planetengetriebe. Der hydraulische Wandler ist das Bindeglied zwischen Motor und Getriebeeingang. Er übernimmt nicht nur die Aufgabe der Kupplung, sondern ist teilweise auch für die Untersetzung zuständig. Das Wandlermedium ATF ist ein Öl für besonders hohe Anforderungen. Die mechanische Energie des Motors wird im Pumpenrad mit dem Öl in Strömungsenergie gewandelt und anschliessend im Schaufelkanal der Turbine wieder in mechanische Energie zurückgeformt, wodurch sich eine sanfte Koppelung der Motorkraft auf die Eingangswelle des Getriebes ergibt. Beim hydrodynamischen Wandler kommt zusätzlich ein Leitrad zum Einsatz, welches die strömende Flüssigkeit umlenkt und dadurch eine Dremomentensteigerung bewirkt… Alles klar?

Die Herren Marty (Inhaber) und Lustenberger (Geschäftsführer) vermittelten die Informationen anhand reichhaltigem Demonstrationsmaterial. Besonders wertvoll waren die Hinweise auf die Pflege unserer Getriebeautomaten. Dabei stellte sich die Frage, was man selbst tun oder beim Fachbetrieb veranlassen kann, um die Lebenserwartung des Aggregats zu schonen. Antwort: Siehe Punkt 6. Obwohl ATF kaum einer Alterung unterworfen ist, kontaminiert es sich als Folge von Abrieb mit feinsten metallischen Partikeln. Sie werden nur zum Teil durch die Filter eliminiert; ein Rest an mikroskopisch kleinen Partikeln verbleibt. Das kontaminierte Öl schleift die rotierenden Teile und Durchgänge an und/oder bildet Ränder bei den Ventilsitzen. Dass bei einem Ölwechsel – im Gegensatz zum Motor – nicht einfach das alte Öl abgelassen und die entsprechende Menge wieder nachgefüllt werden kann, erklärt sich aus der Tatsache, dass etwa ein Drittel der Flüssigkeit immer im Getriebe verbleibt. Somit muss das Auswechseln des Automatenöls in mehreren Stufen erfolgen, es sei denn, man wendet ein Spülverfahren an. «Automaten-Meyer AG» bietet diesen Service an.

Beispielhaft eingesehen werden konnte, dass das gesamte Gewicht eines Wagens bei der Schaltung «P» = Parkierung nur durch eine wenige Millimeter starke Klinke gehalten wird. Nur dieser an sich schwache Greifer klinkt bei «P» in das zentrale Rad des Automaten ein. Erst durch die Betätigung der Handbremse, wird der Wagen auch radseitig gehalten. Es empfiehlt sich darum dringend die Handbremse beim Parkieren des Wagens zusätzlich zu ziehen = Punkt 3!

Dass bei einer Zusammenkunft von BDC-Mitgliedern auch der gesellschaftliche Teil nicht fehlt, dafür hatte Hansruedi Koch als Organisator ebenfalls gesorgt. Nach den überaus eindrücklichen Darbietungen in den beinahe klinisch sauberen Hallen der «Automaten-Meyer AG» verschob sich der Tross ins nahe gelegene Blatten. Dort, im 5-Sterne Gasthof Krone mangelte es bei einem hervorragenden Mittagsmahl nicht an Stoff für Benzingespräche. Mit herzlichen Schlussworten und einem Applaus der Mitglieder wurde der Anlass beidseitig gewürdigt und verdankt.

Peter Müller